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Der Brauherd stand acht Meter unter der Erde

Im Meckenheimer „Fäßchen" stärkten sich einst die Pferdepost-Reisenden

historie_0Jede Stadt hat ihre Sehenswürdigkeiten und meist zählen auch altehrwürdige Gasthäuser, in denen schon Generationen den Becher hoben und viele Ahnenreihen ihre Feste feierten, dazu. Im allgemeinen weiß der Besitzer nur wenig von der Geschichte seines Hauses, und man muß schon bei vielen alten Leuten fragen, um etwas zu erfahren. Eins der ältesten Gasthäuser von Meckenheim ist das „Fäßchen", das bei den Bombenangriffen des 2. Und 5. März 1945 zerstört wurde.


historie_1Es war einmal..." sagt der heutige Wirt und zeigt die geretteten Bilder und Photographien aus alter Zeit. Das Haus zum „Fäßchen" war damals noch ein schöner Fachwerkbau, auf den man besonders stolz war, weil das altertümliche seiner Architektur erst im Jahre 1918 bei einer Renovierung unter dem Verputz sichtbar geworden war. Weil man über der Tür auf einem Stein die Buchstaben I E S 1813 CS lesen konnte, nahmen viele an, daß dies die Jahreszahl der Erbauung sei, aber sicherlich ist das „Fäßchen" oder doch seine Grundmauern noch viel älter. Da gibt es geheimnisvolle halbverschüttete Gänge und mächtige Tonnengewölbe. Die schweren Balkendecken allerdings hat der Krieg zerstört, und sie konnten auch nicht wieder ersetzt werden.


historie_2Ein alter Herr in der Nähe kann sich gut der Zeiten erinnern, als die Pferdepost noch einmal täglich am „Fäßchen" vorbeifuhr und die Gäste einen kleinen Imbis zu sich nahmen, ehe es weiterging. Man hatte viel Zeit und verwendete sie gerne, um eine Stärkung für die anstrengenden Fahrt-Kilometer zu sich zu nehmen. Früher wurde im Hause auch gebraut und zwar in dem acht Meter tiefen Braukeller, wo der Brauherd noch bis in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg stand und wegen seines Alters als Sehenswürdigkeit galt. Der erste Brauer des Hauses war wohl der Gastwirt Hilger, dann folgte die Gastwirtschaft und Brauerei Brünagel, abgelöst durch Wierig und später Schullenberg. Dieser setzte die Doppelbeschäftigung seiner Vorgänger fort, denn er hatte das Schuhmacherhandwerg erlernt und betrieb nebenbei eine Werkstätte im Hause. Andreas Ruland, der Vater des jetzigen Besitzers, hatte eine Faßfabrik im Hause. Seine Söhne wissen sich aus ihrer Jugendzeit noch gut zu erinnern, wie der Tanzboden, der damals noch im ersten Stock lag, sich bei den Festen am Wochenende bog und wie das gansze Stockwerk mitzutanzen schien, ohne daß der solide Bau dadurch gefährdet war.


historie_3Heute ist das „Fäßchen" wieder aufgebaut - noch ohne Fachwerk und ohne den großen Torbogen-Eingang. Den alten Stein mit der Jahreszahl hat man aus dem Trümmerschutt ausgegraben; er ziert jetzt wieder die Front des Gebäudes.
-ke